Frühlingserwachen

So, das war doch kühler als ich gehofft hatte. Jetzt, nach meiner ersten längeren Tour (190 km) in diesem Jahr, muss ich erst mal nachsehen, ob meine Finger noch vorhanden sind. Spüren kann ich sie kaum noch, verfüge ich doch leider über keine Griffheizung. Abgesehen von den durchgeforenen Fingern war es allerdings eine schöne Fahrt bei strahlendem Sonnenschein.

Tiefster Winter
Zwischen Birkenfeld (Nahe) und Morbach: tiefster Winter

Nach dem Start in Hoppstädten-Weiersbach geht es erstmal mäßig spannend bis hinauf nach Longkamp, einer der Startpunkte für meine Moseltouren. Von dort aus verläuft die L187 bis Traben-Trarbach, die eigentlich immer ein Spaßgarant ist. So auch heute, obwohl ich wegen teilweise noch feuchter und stellenweise stark verschmutzter Fahrbahn etwas langsamer machen muss als sonst. Von Traben-Trarbach aus nehme ich dann die L190 zurück und hinauf in den Hunsrück. Die L190 kann hier normalerweise flott befahren werden. Heute jedoch, bei Temperaturen knapp über dem Nullpunkt, fehlt der dafür notwendige Grip. Sogar ein Grobmotoriker wie ich kann fühlen, dass das Hinterrad in Schräglage wegdriften möchte. Auf der Höhe angekommen biege ich nach Starkenburg ab und fahre, meinem Zickzack-Kurs treu bleibend, wieder hinunter zur Mosel. In Enkirch angekommen geht es dann aber gleich wieder bergauf. Regelrechte Schmelzwasserbäche – in den Wäldern und auf den Wiesen liegt noch Schnee – fließen hier quer über die Fahrbahn. Mitten in einem solchen treffe ich auf Gegenverkehr, der mich prompt von oben bis unten einsaut. Klasse, vielen Dank auch. Biegt man in Raversbeuren nach links in Richtung Briedel ab, findet man eine schöne, kurvige Strecke (K80/K53) vor, die normalerweise schöne Schräglagen bei moderater Geschwindigkeit erlaubt.

Rutschgefahr
Rutschgefahr

Heute ist’s damit aber Essig. In der Siedlung Hohenstein, einem Bauernhof am Wegesrand, herrscht schon emsige landwirtschaftliche Betriebsamkeit. Entprechend verschmutzt ist denn auch die Straße über weite Abschnitte. Also heißt es – im wahrsten Sinne des Wortes – einen Gang zurückschalten. An der nächsten Einmündung biege ich rechts ab: Briedeler Heck, Hahn, Hunsrückhöhenstraße. Links weiter, nochmals links abgebogen und es geht wieder hinunter, Richtung Mosel, diesmal durchs Altlayer Bachtal. Das machte heute wieder mächtig Spaß. Die zahlreichen Kurven sind klasse auch wenn ich’s wegen der eisekalten Straße etwas zurückhaltend angehen muss.

Strahlender Sonnenschein bei Eiseskälte
Strahlender Sonnenschein …

In Zell angekommen, fahre ich bis Merl, immer an der Mosel entlang. Hier ist es deutlich weniger kühl als oben im Hunsrück. Sogar eine ganze Menge Touristen sind hier schon unterwegs und genießen die Sonne, darunter auch schon (oder noch?) einige unserer Freunde aus Holland. Damit ich in meiner mumienartigen Verpackung nicht zu schwitzen beginne, beschließe ich, abermals die Klimazone zu wechseln. Von Merl aus geht es durchs Mühlental wieder hinauf in den eisgekühlten Hunsrück. Die Strecke (L199) hier ähnelt der durchs Altlayer Bachtal und macht genau so viel Spaß. Hier komme ich dann aber schließlich doch noch ins Schwitzen: in einer schattigen Ecke hat sich noch ein bisschen Glatteis gehalten, auf das ich natürlich prompt gerate. Zum Glück ist es nur ein kleiner Flecken, so dass sich mein wegrutschendes Hinterrad rechtzeitig wieder fängt, bevor ich mich langmachen kann. Das sind diese Momente beim Motorradfahren, auf die ich wirklich gerne verzichten kann. Der Rest dieses Streckenabschnittes verläuft dann aber glücklicherweise ohne besondere Vorkommnisse.

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… bei Eiseskälte

Es wird jetzt langsam Zeit, heimatliche Gefilde anzusteuern. So beschließe ich, das Revier zu wechseln. Schluss mit Mosel, die Nahe ruft. Ich überquere den Hunsrück in südöstlicher Richtung. Kappel, Kirchberg, Dickenschied, Gemünden: dieser Abschnitt der Tour ist der mit Abstand langweiligste. Aber auch das geht vorbei. Von Gemünden aus geht’s durchs Kellenbachtal, eine beliebte Motorradstrecke mit schnellen Kurven im nördlichen Abschnitt. Leider ist die Straße teilweise noch sehr feucht, so dass es leichtsinnig wäre, die Kuh fliegen zu lassen. Trotzdem ist das eine nette Fahrerei. Bei Simmertal erreiche ich schließlich das Nahetal und biege in die B41 ein, die mich nach Hause bringen wird. Der Rest der Fahrt ist dann nicht mehr weiter erwähnenswert. Jetzt ist cruisen angesagt, sich erholen nach der langen Fahrt.

Mensch, Leute, was freue ich mich auf den Frühling!

(ml)

Winterwonderland
Ende Februar: Winterwonderland im Hunsrück

 

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