Die Mutter aller Schlaglochpisten

UPDATE: Am vergangenen Wochenende (April 2018) unternahm ich eine erste längere Tour in den südwestlichen Pfälzerwald, wo ich mir u.a. die L 478 zwischen Eppenbrunn und Ludwigswinkel erneut ansah. Dort wurde ja im vergangenen Herbst der mittlere Abschnitt, die „Eselssteige“, die sich in einem katastrophalen Zustand befunden hatte, instandgesetzt. Und was soll ich sagen? Dieser fast fünf Kilometer lange, kurvenreiche Abschnitt verwandelte sich gewissermaßen vom hässlichen Entlein in einen bildschönen Schwan: der Asphalt ist nun von allerfeinster Güte. Deswegen und wegen der wunderbaren Streckenführung hat sich die Eselssteige eine Neueinordnung in die Kategorie 1 redlich verdient.  Schade nur, dass sich die Abschnitte östlich von Eppenbrunn und nordwestlich von Ludwigswinkel weiterhin in einem äußerst beklagenswerten Zustand befinden. Ebenso unberührt von Instandsetzungsmaßnahmen blieb die L 487 zwischen Ludwigswinkel und Salzwoog. Trotzdem habe ich diese Abschnitte etwas besser bewertet (Kategorie 6 anstatt 7) als ursprünglich. Allerdings nur, weil es noch schlechtere Strecken gibt.

Bewertung: 1 und 6

Pro:

  • Streckenführung: gut, teilweise toll.
  • Verkehrsaufkommen: an Wochenenden nun recht belebt (Motorradfahrer).
  • Überholmöglichkeiten: ausreichend vorhanden.

Kontra:

  • Spaßfaktor: überragend auf dem sanierten Abschnitt.
  • Straßenzustand: leider immer noch sehr schlecht auf den übrigen Streckenabschnitten.

 

Streckenverlauf: Eppenbrunn -> L478 -> L487 -> Lemberg-Salzwoog (26 km).

Die Route in Google Maps:

(ml, Stand: April 2018)

 

Hier folgt der ursprüngliche Beitrag, der nicht mehr ganz aktuell ist:

März, die Sonne lacht. Und mittlerweile geht sie auch spät genug unter, um nach der Arbeit noch eine kleine Erkundungsfahrt im Pfälzerwald durchzuführen.

Die Mutter aller Rumpelstrecken

Die Mutter aller Rumpelstrecken

Von Neunkirchen aus in den Pfälzerwald

Also dann, Büro abgesperrt und rauf auf den Bock. Ich starte von Neunkirchen (Saar) aus in Richtung Homburg, drehe dann nach Süden ab, streife Zweibrücken, nehme erst die L480, dann die L478 und erreiche schließlich Eppenbrunn. Hier beginnt die eigentliche Erkundung. Es geht jetzt auf der L478 erstmal an der französisch-deutschen Grenze entlang, Generalrichtung Ostsüdost. War die Straße bis Eppenbrunn noch in ganz gutem Zustand, verdient sie sich jetzt nur noch eine Einordnung in die Kategorie 6. Zahlreiche aufgelegte Flickstellen verderben mir den Fahrspaß gründlich. Etwa 4,5 km hinter Eppenbrunn ändert die L478 ihre Richtung nach Westsüdwest geradewegs auf die Grenze zu. Auf einer engen Gefällestrecke fahre ich nun hinunter ins Grünbachtal. Die Streckenführung ist famos, es gibt zahlreiche Kurven. Schon auf Google Maps sah die Strecke ja recht unterhaltsam aus. Was den Spaß aber weiterhin gewaltig schmälert, das ist der zunehmend schlechter werdende Fahrbahnzustand. Der wechselt ständig zwischen „sehr schlecht“, „schlecht“ und „mittelmäßig“.

Schandfleck im Pfälzerwald

Schandfleckflicken im Pfälzerwald

Im Talgrund angekommen ist eine 180-Grad-Kehre zu absolvieren. Jetzt kommt es richtig dicke: der Straßenzustand ist mit „sehr schlecht“ nicht mehr ausreichend genau zu beschreiben. „Katastrophal“ oder „unbefahrbar“ träfen den Kern der Sache besser. Vielleicht sollte ich ja eine weitere Kategorie einführen: die Malu-Dreyer-Gedächtnisstraße. Die Kamera-Captures vermitteln nur einen schwachen Eindruck dessen, was ich hier vorfinde: die Mutter aller Rumpelstrecken. Weil ich Angst um mein Motorrad habe, fahre ich streckenweise nicht schneller als 20 oder 30 km/h und benutze die Gegenfahrbahn, wannimmer sie eine ruhigere Fahrt verspricht. So geht es immer weiter am Grünbach entlang zunächst in Richtung Nordost, dann parallel zur Grenze in Richtung Südost.

Glänzt wie eine Speckschwarte

Glänzt wie eine Speckschwarte

Während ich zwischen den schlimmsten Schlaglöchern Slalom fahre, kommt mir die ganze Werbung der Tourismusbranche in den Sinn, mit der sie Erholungssuchende in die Region Pfälzerwald zu locken versucht. Und diese Urlauber finden dann Schlaglochpisten vor wie in einem Entwicklungsland. Das ist so unglaublich peinlich. Fremdschämen möchte man sich, wenn man niederländischen oder französischen Fahrzeugen begegnet.

Löcher, Flicken, Straßenglätte

Irgendwann „verbessert“ sich der Fahrbahnbelag von „sehr schlecht“ zu „schlecht“, was mich in relative Hochstimmung versetzt. Ja, die Straße wird stellenweise sogar richtiggehend glatt. Leider ist das wörtlich zu nehmen. Bindemittelanreicherungen reflektieren die Abendsonne über weite Bereiche und lassen die Straße glänzen wie eine Speckschwarte. Dabei ist diese knochentrocken!

Spieglein, Spieglein auf Asphalt ...

Spieglein, Spieglein auf Asphalt …

Als ich schließlich in die L487 abbiege, bessert sich die Situation keineswegs. Im Gegenteil. Die ölig glänzenden Flächen nehmen an Zahl Ausdehnung sogar noch zu. Ich befürchte eine erheblich erhöhte Sturzgefahr und drossele mein Tempo unter die Spaßgrenze. Unglaublich: sogar die Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge spiegeln sich im Fahrbahnbelag! Ich hätte eigentlich Verkehrszeichen erwartet, die auf diese Umstände aufmerksam machen. Nichts dergleichen. Obwohl auf dieser Strecke ja ansonsten vor allem Möglichen gewarnt wird: vor Wild, Kurven, Steinschlag und sogar vor Kröten (immerhin können Letztere auch so etwas wie Straßenglätte verursachen ;-). Ein einziges Warnschild passiere ich, dass Schleudergefahr über geradeeinmal ein paar hundert Meter signalisiert. Kaum zu glauben. Ich bin heilfroh, dass es wenigsten nicht noch regnet. Nicht auszudenken, was dann alles passieren könnte. Endlich erreiche ich Lemberg-Salzwoog, wo das zweifelhafte Vergnügen ein Ende findet.

Spieglein, Spieglein auf Asphalt ...

… ich glaube echt, ich steh im Wald: Schräglage? Nein, danke!

Fazit

Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, was sich die rheinland-pfälzische Landesregierung hier leistet. Ich frage mich, welch sonderbare Wege unsere Kfz-Steuer geht. Hier kommt jedenfalls nichts davon an. Die beschriebene Strecke kann ich Fahrern von Straßenmotorrädern wirklich nicht empfehlen. Der Fahrkomfort geht stellenweise gegen Null. Und was die Griffigkeit des Fahrbahnbelages angeht: ich bin wirklich kein Fachmann für Straßenbau. Doch diese Straße birgt meiner Meinung nach ein erhöhtes Sturzrisiko für Zweiradfahrer.

 

Bewertung: 7

Pro:

  • Streckenführung: gut, teilweise toll.
  • Verkehrsaufkommen: niedrig.
  • Überholmöglichkeiten: ausreichend vorhanden.

Kontra:

  • Spaßfaktor: nicht vorhanden.
  • Straßenzustand: meist sehr schlecht.

 

Streckenverlauf: Eppenbrunn -> L478 -> L487 -> Lemberg-Salzwoog (26 km).

 

Die Route in Google Maps:

(ml, Stand: März 2015, #1023)